Veritas

"Tu non possiedi la verità, la verità possiede te"(Tommaso d'Aquino)

licenza

lion from a Frieze

segno e simbolo

il segno [“Zeichen”] è una certa intuizione immediata, che rappresenta un contenuto completamente diverso da quello che ha per se stessa: la piramide, nella quale è trasposta e conservata un’anima estranea. Il segno [“Zeichen”] è diverso dal simbolo [“Symbol”], cioè da un’intuizione la cui determinatezza propria, quanto all’essenza e al concetto, coincide più o meno con il contenuto che essa esprime in quanto simbolo. Invece, nel segno in quanto tale, il contenuto proprio dell’intuizione, e quello di cui essa è segno, non hanno nulla a che vedere tra di loro. Pertanto, in quanto significatrice [“bezeichnend”], l’intelligenza dimostra un arbitrio e un dominio nell’uso dell’intuizione più liberi che non in quanto creatrice di simboli [“symbolisierend”].”(Georg Wilhelm Friedrich Hegel,)

simbolo

“Signum quoddam, vel, magis proprie, Tessera, quam publice dabant civitates quibusdam hominibus sibi amicis, ut hospitaliter et amice acciperentur in oppidis foederatis […]. Sed et privatus usus hospitalium tesserarum fuit […]. Fuit autem antiqui moris […] tesseram dari hospitibus dimidiatam, quam quicumque attulisset ad hospitem, continuo agnosci posset, et hospitio accipi, tanquam amicus et vetus hospes”.(Thesaurus grecae linguae)

Minne Lieder

Dietmar von Aist (2. Hälfte des 12. Jh.)

Freiherrliches Geschlecht derer von Aist seit 1125 in Oberösterreich bezeugt; die Ruinen der Stammburg am Flüsschen Aist sind noch heute zu sehen. Der Name findet sich 1139-1161 u.a. in Urkunden von Salzburg, Berchtesgaden, Regensburg, Wien; Dichter wahrscheinl. aber ein jüngerer Träger des Namens aus einer Seitenlinie, denn Schaffenszeit um 1150-1180.

“Slâfest du, friedel ziere?
man weckt uns leider schiere:
ein vogellîn sô wol getân
daz ist der linden an daz zwî gegân.”

“Schläfst du noch, mein schöner Geliebter?
Man wird uns leider sehr bald wecken:
ein buntes Vöglein ist
bereits auf einen Lindenzweig geflogen.”

“Ich was vil sanfte entslâfen: nu rüefestu kint Wâfen. liep âne leit mac niht gesîn. swaz du gebiutst,daz leiste ich, friuindin mîn.” “Ich war sehr sanft eingeschlafen:  Jetzt rufst du Mädchen: ‘O weh’.  Liebe ohne Leid kann es nicht geben.  Was du gebietest, das leiste ich, meine Geliebte.”
Diu frouwe begunde weinen. “du rîtst und lâst mich eine. wenne wilt du wider her zuo mir? owê du füerst mîn fröide sament dir!” Die Herrin begann zu weinen.  “Du reitest fort und lässt mich allein.  Wann wirst du wieder zu mir kommen?  O weh, du nimmst meine Freude mir dir fort!”

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Der winter were mir ein zit. so rehte wunnekliche gvot.Wer Ich so selig daz ir strit. Getroste minen senden mvot. Owol mich danne langer naht. Gelege ich ais ich willen han. Si hat mich n ein truhen braht. Des ich mich niht gemassen kan. Wie tvot der besten einer so. Daz er min senen mag vertragen. Es were wol vnde wurde ich fro. Ich kvnde wol si ane klagen. ob mir nv leit von im geschiht. der mir ist nahe an min herze komen. swaz hilfet zorn ais er mich siht. den hat er schiere mir benommen Sogar der Winter wäre mir eine Zeit voll rechter guter Wonne, hätte ich das Glück, dass sie mit ihrem Begehren auch mir die Sehnsucht stillte. Das wäre eine gute lange Nacht im Bett nach meinem Wunsch vorbracht. Durch sie habe ich jetzt Traurigkeit erfahren, die mich völlig bezwingt. Verstellt sich denn der Besten einer, dass ihn mein Sehnen kalt lässt? Wie wäre es gut, ich würde froh und könnte ohne Klagen sein. Selbst wenn ich durch ihn Leid erfahre, der meinem Herzen so nahe steht, nützt hier kein Ärger – kaum sieht er mich an hat er ihn mir auch schon genommen.

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Ez stuont ein frouwe alleine
und warte uber heide
und warte ir liebes.
sô gesach si valken fliegen.
“sô wol dir valke daz du bist,
du fliugest, swar dir liep ist!
du erkiusest dir in dem walde
einen boum der dir gevalle.
alsô hân ouch ich getân;
ich erkôs mir selbe einen man,
den erwelton mîniu ougen,
daz nîdent schône frouwen.
owê, wan lânt si mir mîn liep,
joh engerte ich ir dekeines trûtes niet.”

Es stand eine Frau allein
und schaute über die Heide
und wartete auf ihren Geliebten.
Da sah sie einen Falken fliegen.
“Wohl dir, daß du ein Falke bist,
du fliegst wohin du möchtest!
Du suchst dir im Wald
einen Baum, der dir gefällt.
So habe ich es auch gemacht;ich suchte mir einen Mann aus,
den erwählten meiner Augen.
Darüber sind schöne Damen neidisch.
Ach, warum lassen sie mir meinen Geliebten nicht,
ich begehrte doch auch keinen ihrer Lieblinge.”

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Sô wol mich liebes, des ich hân
umbevangen. hôhe stât mîn muot.
ich wæne, nie diu werlt gewan
ein schœne wîp sô rehte guot.
man sol si loben deste baz.
der uns alle werden hiez,
wie lützel der an ir vergaz.
tugende hât si michels mê
danne ich gesagen kunne.
si ist leides ende und liebes trôst
und aller fröide ein wunne.

Gepriesen sei mir die Geliebte, die ich
umfangen habe! Ich bin hochgemut.
Ich glaube, niemals besaß die Welt
eine so schöne Frau, so wahrhaft gut.
Man muss sie desto mehr loben.
Der uns alle ins Leben rief, -
wie wenig hat er an ihr versäumt.
Tugenden hat sie weit mehr,
als ich aufzählen kann.
Sie ist des Leides Ende und der Liebe Trost
und der Gipfel aller Freuden.

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Gedanke die sint ledic frî,
daz in der werlte nieman kan erwenden.
dâ ist ouch dicke senen bî,
die ich von dem herzen ofte unsanfte sende.
ein rehtiu liebe mich betwanc,
daz ich ir gap daz herze mîn,
des werdent mir diu jâre sô lanc.
sol ich von der gescheiden sîn,
des, wæne ich, mîn leben niht lange stê,
ich verdirbe in kurzen tagen.
mir tuot ein scheiden alsô wê.

Gedanken, die sind völlig frei,
das kann niemand auf der Welt ändern.
Dabei ist auch häufig Sehnsucht,
die ich von dem Herzen oft unter Schmerzen aussende.
Eine echte Liebe bezwang mich,
so dass ich ihr mein Herz gab,
deshalb werden mir die Jahre so lang.
Soll ich von ihr geschieden sein, -
dem hält, glaube ich, mein Leben nicht lange stand,
ich werde innerhalb weniger Tage sterben.
Mir tut das Scheiden so weh.

Ich siufte und hilfet leider niht
umbe ein wîp, bî der ich gerne wære.
sô si mîn ouge niht ensiht,
daz sint dem herzen mîn vil leidiu mære.
ir tugende, die sint valsches frî,
des hœre ich ir die besten jehen.
nû sehent wie mînem herzen sî,
ich getar ir leider niht gesehen,
wie senelîche si mich lie.
si hât daz herze mir benomen.
daz geschah mir ê von wîben nie.

Ich seufze – und das hilft leider nichts -
einer Frau wegen, bei der ich gerne wäre.
Wenn sie mein Auge nicht sieht,
sind das meinem Herzen recht traurige Umstände.
Ihre Tugenden, die sind ohne Falsch,
das höre ich die Besten ihr zugestehen.
Nun seht, wie es um mein Herz steht,
ich wage es leider nicht, sie aufzusuchen,
wie sehnsuchtsvoll sie mich (auch) werden ließ.
Sie hat mir das Herz geraubt.
Das geschah mir vormals von Frauen nie.

Ich hân der frouwen vil verlân,
daz ich niht herzeliep vinden kunde.
swaz ich fröiden ie gewan,
daz ist wider dise liebe ein krankiu stunde.
die ich ze liebe mir erkôs,
sol ich der sô verteilet sîn,
seht, des belîbe ich fröidelôs
und wirt an mînen ougen schîn.
in al der werlte ein schœne wîp
ist aller fröide ein wunne.
vil gar ir eigen ist mîn lîp.

Ich habe viele Frauen verlassen,
weil ich keine Herzeliebe finden konnte.
Was ich an Freuden je gewann,
das ist gegenüber dieser Liebe eine vertane Zeit.
Die ich mir zur Liebe erkor -
soll ich bei ihr ebenso erfolglos sein,
seht, dann bleibe ich freudlos,
und dies wird an meinen Augen offenbar.
In der ganzen Welt ist eine schöne Frau
ein Gipfel aller Freuden.
Gänzlich ihr eigen ist mein Leben.

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Frouwe, mînes lîbes frouwe,
an dir stêt aller mîn gedanc.
dar zuo ich dich vil gerne schouwe.
du gewunne nie unstæten wanc.
dar zuo wære ich dir vil gerne bî.
nû nim mich in dîn genâde,
sô belîbe ich aller sorgen frî.

Herrin, meines Lebens Herrin,
bei dir sind alle meine Gedanken.
Dazuhin sehe ich dich sehr gerne.
Mögest du nie wankelmütig werden.
Dazuhin wäre ich sehr gerne ganz nahe bei dir.
Nun nimm mich in deine Gunst auf,
dann bleibe ich frei von allen Sorgen.

Neidhart von Reuental (ca. 1180 – 1240)


Dichterisches Schaffen von etwa 1210 bis etwa 1240. Berufsdichter. Name umstritten, evtl. auch als Beiname (“Neidling”, “Teufel”) zu verstehen; nennt sich selbst “der von Riuwental”; es könnte sich auch hier um einen fiktiven Namen handeln (“Jammertal”); auch eine ritterliche Herkunft ist nicht sicher; vermutlich aus Bayern; Beziehung zum Landshuter Hof des bayer. Herzogs Ludwig I. und zum erzbischöfl. Hof in Salzburg. Vermutlich Teilnahme am Kreuzzug 1217-21. Nach dem Tod Ludwigs I. (1231) am Hof des Babenbergers Friedrich II. von Österreich in Wien.

Mayen zeit
one neidt.
freuden geit.
wider streit.
sein widerkumen kan vns allen helffen.
uff dem plan.
one wan.
sicht man stan.
wolgethan
lichte praune plumlein bey den gelffen
durch das gras sind sie schon gedrungen.
und der walt
manigualt.
vngeczalt.
ist der schalt.
das er ward mit dem nie pas gesungen.

Maienzeit,
Freudenzeit,
Fröhlichkeit
weit und breit,
Ihre Rückkehr kann uns Hoffnung geben.
Auf dem Feld,
wohlbestellt,
wächst die Welt,
wie’s gefällt,
Bunte Blumen, die zur Sonne streben.
Manche Knospe ist schon aufgesprungen,Selbst im Wald
ist’s nicht kalt,
wenn’s schon bald
laut erschallt,
Wilder wird doch selten nur gesungen.

Ich sung nit
nach irem sitt.
hett ich frid.
des ich bitt.
ob mir yemant kome daran zu trost.
Ich pin verczaidt
meine laidt.
unueriaigt.
sind noch brait
ich nem es noch wer mich dauon erlost.
liebes plick kan mich schiken wilde.
es ist mein clag.
alle tag.
vnd gebag.
als ein zag.
liebes plick las mich bej blickes bilde

Aber ich
schreibe nicht
mein Gedicht
übers Licht,
Dieser Mai kann mir nicht Frieden bringen.
Diese Zeit
ist voll Leid,
fühle Neid,
suche Streit,
Will jetzt keine Frühlingslieder singen.
Werden wir die Liebe wieder sehen?
Ich verzage
alle Tage,
wenn ich klage
und euch sage,
Selbst die schönste Blüte muss vergehen.

Grosse not
mir empot.
der mit drot.
auf den tod.
das ist hildebolt von bernreute
Irrenfrid.
vnd der smid.
werden glid.
an eim wid.
das sie mit gemach lan die leute
Berwin den mag nyemant vberhausen.
Amelolt
Berinbolt
handt verdolt
das man soldt.
vber mich geben hat zu prewssen.

Große Not,
denn mir droht
ein Idiot
mit dem Tod,
Das ist Hildebold von Berenreute.
Irenfried
und der Schmied,
jeder flieht,
der sie sieht,
Nur zum Spaß verfolgen sie die Leute.
Ber’win ist der Schlimmste von der Bande.
Amelolt,
Berenbolt,
hab’n gewollt,
dass man Gold
Für meinen Kopf bezahlt im Preußenlande.

Ich kam dar
ane far.
ungewar.
zu Irer schar.
Ich sahe was die gattellinge thetten.
Irrenper.
vnd Ir mer.
giengen encwer.
hin und her.
mit iren kappelklingen. sam si moten.
do sprach ich na wolt ich eines wethen.
Das ir gedrod.
vnd ir geschnod.
wurd plode.
wie ir freud.
nyemant kunt mit heres krafft empfhetten

Als ich sah:
Sie sind da,
ging ich Narr
zu der Schar.
Ich wollte wissen, was die Schnösel machen.
Irenbeer
protzte schwer,
schwang den Speer
hin und her.
Die ander’n taten mit, es war zum Lachen.
Da rief ich: “Nun wollt’ ich eines wetten:
Ihr gebt an,
schmeißt euch ran,
spielt den Mann,
aber dann
Beim echten Kampf, da flieht ihr in die Betten.”

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Friedrich von Hausen: ca. 1150 – 1190

um 1150, + 6.5.1190 Philomelium (heute: Akschehir/Türkei).

Stammsitz derer von Hausen ist Rheinhausen bei Mannheim (oder aus der Gegend von Kreuznach ?); Vater: der staufische Freiherr Walther von Hausen; Friedrich zum ersten Mal 1171 urkundlich bezeugt; 1175 urkundet Friedrich in zwei in Pavia ausgestellten Urkunden des Erzbischofs von Mainz, nimmt also wohl am fünften Italienfeldzug Barbarossas teil; 1186 und 1187 erscheint sein Name in in Nord- und Mittelitalien ausgestellten Urkunden des Kaisersohns Heinrich (VI.); weitere Lebensdaten aus dem Chronicon Hanoniense des Gislebert von Mons (um 1200): von 1187 bis zu seinem Tod als Vertrauter Barbarossas belegt; nimmt an Kriegszügen teil und übernimmt diplomatische Missionen. Tod auf dem 3. Kreuzzug: Sturz vom Pferd bei der Verfolgung feindlicher Türken, wenige Wochen vor dem Tod Barbarossas. Dichterisches Schaffen: um 1170-1190.

Diu süezen wort, diu habent mir getân,
diu ir die besten al gemeine
sprechent, daz ich niene kan
gedenken wan an si alterseine.
ander mîn angest, der ist kleine,
wan der den ich von ir hân.
got weiz wol, daz ich nie gewan
in al der werlte sô liebe enkeine,
des sol si mich geniezen lân.

Die süßen Worte, die haben bei mir bewirkt, -
welche über sie die Besten allgemein
sagen, – dass ich an nichts kann
denken als an sie ganz allein.
Meine sonstige Bedrängnis, die ist gering,
außer der, die ich ihretwegen habe.
Gott weiß wohl, daß ich (noch) nie gewann
auf der ganzen Welt eine solche Liebe,-
das soll sie mich genießen lassen.

Swes got an güete und an getât
noch ie dekeiner frouwen gunde,
des gihe ich ime, daz er daz hât
an ir geworht als er wol kunde.
was danne, und arnez under stunde,
mîn herze es dicke hôhe stât.
noch möhte es alles werden rât,
wolden si die grôzen wunde
erbarmen, die si an mir begât.

Was Gott an Tugenden und an Gestalt
noch nie einer Frau gönnte,
das gestehe ich ihm zu, dass er das hat
in ihr geschaffen, wie nur er es konnte.
Was dann, wenn es unterweilen dies büßen mag,-
mein Herz schlägt dessetwegen oftmals hoch.
Noch konnte dies alles gut werden,
wollten sie die großen Wunden
erbarmen, die sie mir zufügt.

Swaz got an frouwen lât ertagen,
des enkan mir an ir nieman gemêren,
wan als ich ir muoz mîn angest sagen,
daz kan si leider wol verkêren.
ein herte herze kan siz lêren,
daz alsô lîhte mac vertragen
sô grôzez wüefen unde klagen,
daz ich lîde umb ir hulde mit sêren,
daz ich niemer mac getragen.

Was immer Gott an Frauen erstrahlen läßt,
das kann mir an ihr niemand mehren,
aber ebenso muss ich ihr meine Befürchtung sagen:
das kann sie leider wohl (ins Gegenteil) verkehren.
Ein hartes Herz kann sie dies lehren,
das so leicht erdulden kann
so großes Jammern und Klagen,
das ich um ihrer Huld willen mit Schmerzen erleide,-
das ich nicht mehr ertragen kann.

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Ich sihe wol daz got wunder kan
von schœne würken ûz wîbe.
daz ist an ir wol schîn getân,
wan er vergaz niht an ir lîbe.
den kumber, den ich lîde,
den wil ich gerne hân
zediu daz ich mit ir belîbe
und al mîn wille sül ergân.
mîn frouwe sehe waz si des tuo,
dâ stât dehein scheiden zuo.

Ich sehe wohl, dass Gott Wunder kann
an Schönheit bei der Frau wirken.
Das ist an ihr wohl sichtbar gemacht,
denn er vergaß nichts an ihr.
Den Kummer, den ich leide,
den will ich gern ertragen,
damit ich bei ihr bleiben darf
und all mein Wille geschehen möge.
Meine Herrin sehe zu, was sie dafür tue,
da gibt es keine Ausflucht.

Si gedenke niht, daz ich sî der man,
der si ze kurzem wîlen minne.
ich hân von kinde an si verlân
daz herze mîn und al die sinne.
ich wart an ir nie valsches inne,
sît ich si sô liep gewan.
mîn herze ist ir ingesinde
und wil ouch stæte an ir bestân.
mîn frouwe sehe, waz si des tuo.
dâ stât dehein scheiden zuo.

Sie denke nicht, dass ich der Mann sei,
der sie nur für kurze Zeit minne.
Ich habe von Kind an ihr überlassen
mein Herz und alle Sinne.
Ich gewahrte an ihr nie Falschheit,
seit ich sie so lieb gewann.
Mein Herz ist ihr Diener
und will auch beständig bei ihr bleiben.
Meine Herrin sehe zu, was sie dafür tue,
da gibt es keine Ausflucht.

Quelle: Reclam ©1978 Deutscher Minnesang

Wahl des Herzens

Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden
diu mit ein ander varnt nu mange zît.
der lîp wil gerne vehten an die heiden:
sô hât iedoch daz herze erwelt ein wîp
vor al der werlt, daz müet mich iemer sît,
daz si ein ander niht envolgent beide.
mir habent diu ougen vil getân ze leide.
got eine müeze scheiden noch den strît.

Mein Herz will sich von meinem Leibe scheiden,
die miteinander fuhren manche Zeit.
Der Leib will freudig fechten mit den Heiden,
doch hat das Herz sich einer Frau geweiht
vor aller Welt. Ich bin voll Traurigkeit,
dass nun nicht mehr Gemeinschaft zwischen beiden.
Mir gaben meine Augen viel zu leiden.
Nur Gott allein kann schlichten diesen Streit.

Sît ich dich, herze, niht wol mac erwenden,
du enwéllest mich vil trûreclîchen lân,
sô bite ich got daz er dich ruoche empfâ.
ôwê wie sol ez armen dir ergân!
wie torstest eine an solhe nôt ernenden?
wer sol dir dîne sorge helfen enden
mit solhen triuwen als ich hân getân?

Vermag ich dich davon nicht abzuwenden,
dass du, mein Herz, mich bringst in schlimmen Zwist,
so bitt ich Gott, er möge dich entsenden
O weh des Leides, das kein Mensch ermisst!
Wie darf dich, armes Herz, der Wahn verblenden,
du fändest Hilfe, deine Not zu enden,
die Treue, die von mir gehalten ist?

Ich wânde ledic sîn von solher swaere
dô ich daz kriuze in gotes êre nam.
ez waere ouch reht daz im ez alsô waere
wan daz mîn staetekeit mir sîn verban.
ich solte sîn ze rehte ein lébendic man,
ob ez den tumben willen sîn verbaere.
nu sihe ich wol daz im ist gar unmaere
wie mír ez an dem ende süle ergân.

Ich glaubte frei zu sein von solcher Schwere,
nähm ich das Kreuz zu Gottes Ehre an.
Es wäre recht auch, dass ihm also wäre,
dovh hält die Treue mich in Herzensbann.
Ich wäre wohl ein lebensfroher Mann,
geläng’ es mir, dass ich mein Herz bekehre,
durch dessen Torheit ich mich ganz verzehre
und dessen Wahl ich nicht verwerfen kann.

Minnenot

Wâfenâ, wie hat mich minne gelâzen!
díu mich betwánc,daz ich lie mîn gemüete
án solhen wân der mich wol mac verwâzen,
ez ensî daz ich müeze geniezen ir güete,
vón der ich bín alsô dícke âne sin.
mich dûhte ein gewin, und wolte diu guote
wizzen die nôt diu mir wont in dem muote.

O Not, wie mich Minne zurückließ zur Stunde,
die mich bezwang, dass ich lieh mein Gemüte
an solchen Wahn, der mich richtet zugrunde,
wird mir nicht einst noch zuteil ihre Güte,
durch die ich bin so ganz ohne Sinn!
Mir wäre Gewinn, wenn nur wollte die Gute
wissen die Drangsal in meinem Mute.

Wâfen,waz hábe ich getân sô zunêren
daz mir diu guote night gruozes engunde?
sús kan si mír wol daz herze verkêren.
deich in der werlt bezzer wîp iender funde,
séht dêst mîn wân. dâ für sô wil ichz hân,
und dienen nochdan mit triuwen der guoten,
diu mich dâ bliuwet vil sêre âne ruoten.

O Not, was tat ich ihr denn nicht zu Ehren,
dass ihren Gruß mir weigert die Eine?
Weiß sie doch völlig mein Herz zu verkehren,
dass in der Welt mir gefiele sonst keine.
Seht meinen Wahn! So gedacht, so getan!
Will dienen fortan mit Treue der Guten,
die da mich heftig bläut ohne Ruten.

Wáz mac daz sîn daz diu werlt heizet minne,
únde ez mir túot alsô wê zaller stunde
únde ez mir nímt alsô vil mîner sinne?
ichn wânde niht daz ez iemen erpfunde.
getorste ich es jên daz ichz hête gesên
des mír ist geschên alsô víl herzesêre,
sô wolte ich gelouben dar an iemer mêre.

Was mag es sein, was die Welt nennet Minne,
aber mir allerstunden tut wehe
und mich beraubet so oft meiner Sinne?
Niemand erfand es, nicht heute, nicht ehe.
Dürft’ ich gestehn, ich hätte gesehn,
wovon mir geschehn soviel herzwundes Leiden,
so wollt’ ich dran glauben und mich bescheiden.

Minne, got müeze mich an dir gerechen!
wie vil dem herzen der fröuden du wendest!
möhte ich dir dîn krumbez ouge ûz gestechen,
des het ich reht, wan du vil lützel endest
an mir solhe nôt, sô dîn lîp mir gebôt.
und waerest du tôt, sô dûhte ich mich rîche.
sús muoz ich leben betwungenlîche.

Möge mich, Minne, Gott an dir rächen!
weil du das Herz mir von Freuden abwendest!
Könnt’ ich dir dein krummes Auge ausstechen,
so täte ich recht,da du nimmer doch endest
an mir solche Not, die dein Sein mir gebot.
Wärest du tot, mir glückte mein Leben.
So leid ich, in deine Gewalt gegeben.

Quelle: Reclam ©1978 Deutscher Minnesang

Der von Kürenberg (um 1150/1160)

Der Dichter ist persönlich schwer zu bestimmen, wahrscheinlich ein Österreicher ritterlichen Geschlechts aus der Gegend westlich von Linz a. d. Donau. Er dichtete etwa 1150/60. Seine Gedichte gelten als die ältesten uns bekannten Minnelieder.

Ich zôch mir einen valken mêre danne ein jâr.
dô ich in gezamete als ich in wolte hân
und ich im sîn gevidere mit golde wol bewant,
er huop sich ûf vil hôhe und floug in anderiu lant.
Sît sach ich den valken schône fliegen:
er fuorte an sînem fuoze sîdîne riemen,
und was im sîn gevidere alrôt guldîn.
got sende si zesamene die gerne geliep wellen sin!

»Ich zog mir einen Falken länger denn ein Jahr.
Als er von mir gezähmt und mir nach Wunsche war
und ich um sein Gefieder goldene Bänder wand,
steil stieg er in die Lüfte und flog in anderes Land.
Fortan sah ich den Falken herrlich schwingen:
er trug an seinem Fuße seidene Schlingen,
es glänzte sein Gefieder um und um von Gold.
Gott sende sie zusammen, die sich sehnsüchtig hold.«

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Wîp vil schœne, nu var du sam mir.
lieb unde leide daz teile ich sant dir.
die wîle unz ich daz leben hân sô bist
du mir
vil liep.
wan minnest einen bœsen, des engan
ich dir niet.

Frau, du schöne, nun komm mit mir.
Liebes und Leides, das teile ich mit dir.
Solang ich am Leben bin, so bist du mir
sehr lieb.
Nur wenn du einen Schlechten liebst,
das gönn ich dir nicht.

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Walther von der Vogelweide (ca. 1170-1228)

um 1170 geboren
um 1190 Dichter am Wiener Hof
1198 Wechsel zum Hof Philipps von Schwaben
nachfolgend Aufenthalt an verschiedenen Fürstenhöfen (Hermann von Thüringen, Dietrich von Meißen, Kaiser Friedrich II.)
um 1228 verstorben
gilt als der bedeutendste und bekannteste Minnesänger, außerdem Dichtung politischer Lieder

Muget ir schouwen waz dem meien
wunders ist beschert?
Seht an pfaffen, seht an leien,
wie daz allez vert.
Grôz ist sîn gewalt.
ine weiz obe er zouber künne;
swar er vert in sîner wünne,
dân ist niemen alt.
Scheidet, frouwe, mich von sorgen,
liebet mir die zît!
oder ich muoz an fröiden borgen.
daz ir saelic sît!
muget ir umbe shen?
sich fröit al die werlt gemeine:
möhte mir von iuch ein kleine
fröidelîn geschehen.

Ihr müsst nur schauen, was der Maien
Uns nun hat beschert.
Alle, die’s fühlen, sind im Freien
Froh und unbeschwert.
Er kommt mit Gewalt!
Könnt ihr nicht seinen Zauber sehen:
Wer in diesem Licht darf gehen,
Der ist niemals alt.
Herrin, befreit mich von den Schmerzen,
Liebt mich mit der Zeit.
Das bringt uns Freude in die Herzen,
Dann verfliegt das Leid.
Kann’s denn nicht gescheh’n?
Ja, die Welt freut sich ohnegleichen!
Ihr müsst mir die Hand nur reichen,
Um ins Licht zu geh’n!


Owê war sint verswunden
alliu mîniu jâr!
Ist mîn leben mir getroumet,
oder ist ez wâr?
Daz ich ie wânde daz iht wære,
was daz iht?
Dar nâch hân ich geslâfen
und enweiz es niht.

Nû bin ich erwachet,
und ist mir unbekant
daz mir hie vor was kündic
als mîn ander hant.
Liute unde lant, dar inn ich
von kinde bin erzogen,
die sint mir frömde worden reht
als ob ez sî gelogen.

Die mîne gespilen wâren,
die sint træge unde alt.
Bereitet ist daz velt,
verhouwen ist der walt:
wan daz daz wazzer fliuzet
als ez wîlent flôz,
vür wâr ich wande mîn
ungelücke wurde grôz.

Mich grüezet maniger trâge,
der mich bekande ê wol.
Diu welt ist allenthalben
ungnâden vol.
Als ich gedenke an manegen
wünneclîchen tac,
die mir sint enpfallen
als in daz mer ein slac,

emêr mêre ouwê…

Oh weh, wo sind verschwunden
alle meine Jahr?
Hab ich all das nur geträumt
oder ist es wahr?
Was ich glaubte, was ich tat
in Freude oder Pflicht,
Hab ich’s nur im Schlaf erlebt?
Ach, ich weiß es nicht.
Jetzt bin ich hellwach
und mir scheint unbekannt,
Was mir früher so vertraut war
wie die eig’ne Hand.
Denn die Menschen und das Land,
die mich groß gezogen,
Die sind mir nun ganz  fremd,
als hätt man sie erlogen.

Die, die meine Freunde waren,
sind nun träg und alt.
Längst bestellt ist das Feld,
gerodet ist der Wald.
Nur das Wasser fließt noch weiter
wie seit ew’ger Zeit.
Wenn auch dieser Strom versiegt,
bleibt mir nur mein Leid.

Mancher grüßt g’rad noch schnell,
der mich einst umwarb,
Dankbarkeit gibt’s nicht mehr,
wenn es sie je gab!
Denk ich einsam heut zurück
an einen hellen Tag,
Der mir längst entglitt,
trifft’s mich wie ein Schlag,

Und ich singe: Oh weh…

Der Wahlstreit (1198)

Ich saz ûf eime steine
und dahte bein mit beine:
dar ûf satzt ich den ellenbogen:
ich hete in mîne hant gesmogen
daz kinne und ein mîn wange.
dô dâhte ich mir vil ange,
wie man zer welte solte leben:
deheinen rât kond ich gegeben,
wie man driu dinc erwurbe,
der keines niht verdurbe.
diu zwei sint êre und varnde guot,
daz dicke ein ander schaden tuot:
daz dritte ist gotes hulde,
der zweier übergulde.
die wolte ich gerne in einen schrîn.
jâ leider desn mac niht gesîn,
daz guot und weltlich êre
und gotes hulde mêre
zesamene in ein herze komen.
stîg unde wege sint in benomen:
untriuwe ist in der sâze,
gewalt vert ûf der strâze:
fride unde reht sint sêre wunt.
diu driu enhabent geleites niht, diu
zwei enwerden ê gesunt.

Ich saß auf einem Steine:
Da deckt‘ ich Bein mit Beine,
Darauf der Ellenbogen stand;
Es schmiegte sich in meine Hand
Das Kinn und eine Wange.
Da dacht‘ ich sorglich lange
Dem Weltlauf nach und ird’schem Heil;
Doch wurde mir kein Rat zuteil,
Wie man drei Ding‘ erwürbe,
Dass keines davon verdürbe.
Die zwei sind Ehr‘ und zeitlich Gut,
Das oft einander schaden tut,
Das dritte Gottes Segen,
An dem ist mehr gelegen:
Die hätt‘ ich gern in einem Schrein.
Ja leider mag es nimmer sein,
Dass Gottes Gnade kehre
Mit Reichtum und mit Ehre
Je wieder in dasselbe Herz.
Sie finden Hemmung allerwärts:
Untreu hält Hof und Leute,
Gewalt fährt aus auf Beute,
So Fried‘ als Recht sind todeswund:
Die dreie haben kein Geleit, die zwei
denn werden erst gesund.

Ich hôrte ein wazzer diezen
und sach die vische fliezen,
ich sach swaz in der welte was,
velt walt loup rôr unde gras.
swaz kriuchet unde fliuget
und bein zer erde biuget,
daz sach ich, unde sage iu daz:
der keinez lebet âne haz.
daz wilt und daz gewürme
die strîtent starke stürme,
sam tuont die vogel under in;
wan daz sie habent einen sin:
si dûhten sich ze nihte,
si enschüefen starc gerihte,
si kiesent künege unde reht,
si setzent hêrren unde kneht.
sô wê dir, tiuschiu zunge,
wie stêt dîn ordenunge!
daz nû diu mugge ir künec hât,
und daz dîn êre alsô zergât,
bekêrâ dich, bekêre.
die cirkel sint ze hêre,
die armen künege dringent dich:
Phillippe setze en weisen uf und
heiz sie treten hinder sich.

Ich hört‘ ein Wasser rauschen
und ging den Fischen lauschen,
ich sah die Dinge dieser Welt,
Wald, Laub und Rohr und Gras und Feld,
was kriechet oder flieget,
was Bein zur Erde bieget,
das sah ich, und ich sag‘ euch das:
Da lebt nicht eines ohne Hass.
Das Wild und das Gewürme,
die streiten starke Stürme,
so auch die Vögel unter sich;
doch tun sie eins einmütiglich:
sie schaffen stark Gerichte,
sonst würden sie zu nichte;
Sie wählen Kön’ge ordnen Recht
Und unterscheiden Herrn und Knecht.
So weh dir, deutschem Lande,
wie ziemet dir die Schande,
daß nun die Mücke hat ihr Haupt,
und du der Ehren bist beraubt!
Bekehre dich! Vermehre
nicht noch der Fürsten Ehre.
Die armen Kön’ge drängen sich:
Philippen setz‘ den Waisen
* auf, so
weichen sie und beugen sich.

*Hauptedelstein der deutschen   Königskrone

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Wolfram von Eschenbach 1170/75 – nach 1220


Wolfram von Eschenbach wurde um 1170/75 im fränkischen Eschenbach in der Nähe von Ansbach geboren. Er entstammte wohl einem verarmten Ministerialengeschlecht und verdiente seinen Unterhalt als fahrender Sänger; als einen «vindære wilder mære» attackiert ihn Gottfried von Straßburg. Ob dieser unorthodoxe Umgang mit den Normen der Schulrhetorik, mit der Sprache, mit seinen Vorlagen und Quellen auf mangelnder Schulbildung beruht, ist in der Forschung umstritten. Unsicher ist auch, in wessen Auftrag die etwa 25000 Verse des Parzival geschrieben wurden. Nachweisbar sind Beziehungen zu den Grafen von Wertheim, zu Adelsgeschlechtern in der Steiermark und zu den Freiherrn von Dürne auf der Wildenburg im Odenwald. Sein größter Mäzen war Hermann von Thüringen, an dessen Hof er den Willehalm schrieb und vielleicht auch mit Walther von der Vogelweide zusammengetroffen ist. Nach Hermanns Tod 1217 gibt es von Wolfram kein Lebenszeichen mehr. Er dürfte nach 1220 vielleicht in Eschenbach gestorben sein.

Es ist ein reht daz ich lâze den muot
der mir ûf minne ie was rîche unde guot:
ich wil gebâren als ez mir nu stât.
owê daz minne ie daz boese ende hât!
swer sich mit staete an ir unstaete lât,
wê wie unsanfte dem ein scheiden tuot!
alsô hât mir dâ daz selbe getân.
liebe muoz dicke mit leide zergân.
wie sanft im ist der sich ir hât behuot!

Es ist richtig, daß ich von dem Streben ablasse,
das mir in der Hoffnung auf Minne immer edel und angemessen erschien.
Ich will mich so verhalten, wie es mir jetzt angemessen ist.
Oweh, daß Minne immer ein schlimmes Ende nimmt.
Wer auch immer sich mit Beständigkeit auf ihre Unbeständigkeit einläßt,
o weh, wie schmerzhaft ist für den die Trennung. Ebenso ist mir dort dasselbe widerfahren.
Die Liebe muß oft im Leid enden.
Wie wohl geht es dem, der sich vor ihr bewahrt hat!

Nû werden ougen vil trüebe unde rôt
nâch lieben friunden sô lîdent si nôt,
die ir dâ beitent vil lîhte iemermê.
daz leit getuot manger frouwen nu wê,
die fröide pflâgen mit liebe allez ê;
der wunne wendet nu mange der tôt.
minne unde friunde ich dur got lâzen wil.
des dunket mich dur in niemer ze vil,
sît man uns von ime dienest gebôt.

Nun werden die Augen sehr betrübt und rot,
weil sie sich so sehr nach den lieben Freunden sehnen,
die dort vielleicht ständig auf sie warten.
Dieser Schmerz tut nun vielen Frauen weh,
die einst immer Liebes-Freuden erlebten.
Diese Wonne beendet jetzt für viele der Tod.
Minne und Freunde werde ich für Gottes verlassen.
Das für ihn (zu tun) erscheint mir niemals zu viel, weil man uns befahl, in seinem Namen zu dienen.

Mîn teil der minne daz sult ir iu hân,
daz enwil ich anders niemanne lân.
dâ bî gedenken sult ir, herren mîn:
haete ich iht liebers, daz, solte iuwer sîn:
fröide unde wunne werd iu von ir schîn.
sî hât mir niht niuwan leit noch getân,
sît ich mich kêrte und ie sêre ranc
an eine stat dâ mir niene gelanc.
baz danne mir müez ez iu mit ergân.

Meinen Anteil an der Minne sollt ihr für euch behalten,
den werde ich niemand anders überlassen.
Dabei sollt ihr bedenken, meine Herren:
Hätte ich irgend (eine) lieber, die sollte euer sein:
Freude und Wonne mögen euch von ihr (der Minne) zu Teil werden.
Sie hat mir bisher nichts als Leid zugefügt,
seit ich mich ihr zuwandte und mich immer sehr bemühte,
an einen Ort, wohin ich nie gelang.
Euch muss es mit ihr besser ergehen als mir.

Daz ir genâde mich sô gar vergie,
des bin ich frô unde klagtez doch ie.
ir edler minne ich noch sanfter enbir
danne ich si weste in den sorgen nâch mir,
alse ich nu hân unde lîde nâch ir.
got unser herre, dur den sie lie,
der günne mir des, werd iemer ein wîp
der ûf genâde sül dienen mîn lîp,
daz es diu sî diu mich êrste gevie.

Dass ihre Gnade mich so völlig überging,
darüber bin ich froh, auch wenn ich es immer beklagte.
Es fällt mir leichter, ihrer edle Minne zu entbehren,
als dass ich sie in solcher Sehnsucht um mich weiß,
genauso wie ich sie jetzt habe und für sie erleide.
Gott, unser Herr, für den ich sie verließ,
möge mir es gönnen, wenn es jemals wieder Frau gibt,
der ich in Hoffnung auf Gnade dienen sollte,
es dann diejenige ist, die mich zuerst fesselte.

*******

*******

Ez ist nu tac, daz ich wol mac mit wârheit jehen,
er wil niht langer sîn.
diu vinster naht hât uns brâht ze leide mir
den morgenlîchen schîn.
sol er von mir scheiden nuo,
mîn fruint, diu sorge ist mir ze fruo:
ich weiz vil wol, daz ist ouch gerne burge,
möhte ich in alsô behalten.
mîn kumber wil sich breiten.
owê des, wie kumt ers hin?
der hôhste fride müeze in noch
an mînen arm geleiten.”

Es ist jetzt der Tag, und nur zu wahr ist es, wenn ich sage,
er wird nicht mehr länger hierbleiben.
Die dunkle Nacht hat uns zu meinem Kummer
das Morgenlicht gebracht.
Muß er jetzt von mir weggehen,
mein Geliebter, so kommt mir dieser Schmerz zu früh.
Ich weiß genau, ihm geht es ebenso,
den ich meinem Auge gerne bergen würde,
könnte ich ihn damit hier festhalten.
Mein Schmerz will sich breit machen.
Ach, wie wird er es überstehen?
Das höchste Geleit soll ihn wieder in meine Arme führen.

Daz guote wîp ir friundes lîp vast umbevienc,
der was entslâfen dô.
dô daz geschach daz er ersach den grâwen tac,
dô muose er sîn unfrô.
an sîne brüste dructe er si,
und sprach “jâne erkande ich nie
kein trûric scheiden alsô snel.
uns ist diu naht von hinnen alze balde.
wer hât si sô kurz gemezzen?
der tac wil niht erwinden.
hât diu minne an saelden teil,
diu helfe mir daz ich dich noch
mit fröiden müeze vinden.”

Die schöne Frau umarmte heftig ihren Geliebten,
der noch im Schlaf lag.
Als es geschah, dass er das Morgengrauen sah,
da war er sehr unglücklich.
Er presste sie an seine Brust und sagte:
Noch nie widerfuhr mir
ein so trauriges, rasches Auseinandergehen.
Die Nacht ist für uns zu schnell zu Ende gegangen.
Wer hat sie nur so kurz bemessen?
Der Tag dagegen will nicht vorübergehen!
Wenn die Liebe zum Glück gehört,
dann soll es mir helfen, dass ich dich wieder
mit Lust umarmen kann.


Si beide luste daz er kuste si genuoc:
gefluochet wart dem tage.
urlop er nam, daz dô wol zam; nu merket wie:
da ergienc ein schimpf bî klage.
si heten beide sich bewegen,
ez enwart sô nâhen nie gelegen,
des noch diu sunnen drî mit blicke waeren,
sine möhten zwischen si geliuhten.

Sie hatten beide Lust, und so küsste er sie immer wieder:
Der Tag wurde verflucht.
Er nahm Abschied, wie es sich geziemte; jetzt hört wie:
Das Liebesspiel ging einher mit Traurigkeit.
Sie waren beide entschlossen,
so nahe hatten nie zwei beieinander gelegen,
dafür sei die Liebe immer noch gepriesen:
Wenn auch drei Sonnen gestrahlt hätten,
hätten sie nicht zwischen ihnen durchscheinen können.

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Hartmann von Aue (ca. 1180 – 1205)


um 1165, + um 1210. Ministeriale; Alemanne (das Geschlecht seines unbekannten Dienstherrn ist ze Swâben gesezzen); “von Ouwe”: Au bei Freiburg (?), Weißenau bei Ravensburg (?), Eglisau im Thurgau (?). H. hat eine lat. Schulbildung und verfügt über Kenntnisse in franz. Sprache und Literatur. Über sein Leben ist kaum etwas bekannt:  Einschneidende Erlebnisse sind der Tod seines Dienstherrn (1187?) und (evtl.) die daraus resultierende Teilnahme an einem Kreuzzug (Barbarossa-Kreuzzug 1189/90?). Dichterisches Wirken: zwischen 1180 und 1205.

Manger grüezet mich alsô(der grouz tuot mich ze mâze frô), Mancher wohl begrüßt mich so(mäßig macht der Gruß mich froh):
»Hartmann, gên wir schouwenritterlîche frouwen.«mac er mich mit gemache lânund île er zuo den frouwen gân!bî frouwen triuwe ich niht vervân,wan daz ich müede vor in stân.Ze frouwen habe ich einen sin:als sî mir sint als bin ich in;wand ich mac baz vertrîbendie zît mit armen wîben.swar ich kum dâ ist ir vil,dâ vinde ich die diu mich dâ wil:diu ist ouch mînes herzen spil:waz touc mir ein ze hôhez zil?

»Hartmann, gehn wir schauen ritterliche Frauen.«Lass’ er mich nur in Frieden stehn und mag er zu den Stolzen gehn! Gewinn glaub ich dort nicht zu sehn,Verdruss nur bieten sie als Lehn. Zu Edelfraun heg ich den Sinn,dass, wie sie mir, ich ihnen bin.Die Zeit mir zu vertreiben, mag ich bei Mägden bleiben. Wohin ich komm, gibts ihrer viel, da find ich, die mich haben will,die ist mein trautes Herzenspiel.Was taugt mir ein zu hohes Ziel?

In mîner tôrheit mir geschachdaz ich zuo zeiner frowen sprach»frow, ich hân mîne sinnegewant an iuwer minne.«dô wart ich twerhes an gesehen.des wil ich, des sî iu bejehen,mir wîp in solher mâze spehendiu mir des niht enlânt geschehen.

Als ich in meiner Torheit sprach zu einer Frau im Burggemach: »Ich wandte meine Sinne, Herrin, auf Eure Minne«,ward schief ich von ihr angesehn. Drum soll mein Blick, muss ich gestehn,nach Frauen solcher Art nur gehn,wo das mir nimmer kann geschehn.

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Albrecht von Johannsdorf letztes Viertel des 12. Jhd.

vor 1165; seit 1180, bis 1206 urkundlich bezeugt; aus niederbayerischem Ministerialengeschlecht, das in Beziehung zu den Bistümern Bamberg und Passau stand; Ortsname nicht zweifelsfrei identifiziert (Jahrsdorf in Niederbayern?); wahrscheinlich Teilnahme am Kreuzzug Barbarossas 1189/90; evtl. Teilnahme am Kreuzzug von 1197; Todesdatum unbekannt.

‘Wie sich minne hebt daz weiz ich wol;
wie si ende nimt des weiz ich niht.
ist daz ich es inne werden sol
wie dem herzen herzeliep geschiht,
sô bewar mich vor dem scheiden got,
daz wæn bitter ist.
disen kumber fürhte ich âne spot.

‘Wie die Liebe anhebt, weiß ich wohl:
wie sie Ende nimmt, dass weiß ich nicht.
Wenn ich denn innewerden soll,
wie dem Herzen Herzensglück geschieht,
so bewahr mich vor dem Scheiden Gott,
das so bitter ist.
Diesen Kummer fürchte ich gewiss.

Swâ zwei herzeliep gefriundent sich
unde ir beider minne ein triuwe wirt,
die sol niemen scheiden, dunket mich,
al die wîle unz si der tôt verbirt.
wær die rede mîn, ich tæte alsô:
verlüre ich mînen friunt,
seht, sô wurde ich niemer mêre frô.

Wo zwei Herzliebste sich freund werden
und ihr beider Wille eine Treue wird -
die soll niemand scheiden, dünkt mich,
alle Zeit, solang der Tod sie meidet.
Träf es mich, ich täte so:
wenn ich meinen Freund verlöre,
seht, so würde ich nie mehr fröhlich.

Dâ gehœret manic stunde zuo
ê daz sich gesamne ir zweier muot.
dâ daz ende denne unsanfte tuo,
ich wæne des wol, daz ensî niht guot.
lange sî ez mir vil unbekant.
und werde ich iemen liep,
der sî sîner triuwe an mir gemant.’

Da bedarf es mancher Stunde,
bis sich beider Sinn zusammenfindet.
Wenn das Ende dann so schmerzlich wird,
mein ich wohl, das sei nicht gut.
Lange sei mir das noch unbekannt.
Und werde ich je einem lieb,
so sei er mir zur Treue ermahnt.’

Der ich diene und iemer dienen wil,
diu sol mîne rede vil wol verstân.
spræche ich mêre, des wurd alze vil.
ich wil ez allez an ir güete lân.
ir genâden der bedarf ich wol.
und wil si, ich bin vrô;
und wil si, so ist mîn herze
leides vol.

Sie, der ich diene und immer dienen will,
die soll meine Worte wohl verstehn.
Spräche ich mehr, so wär es allzu viel.
Ich will alles ihrer Güte überlassen.
Ihrer Gunst bedarf ich wohl.
Wenn sie will, so bin ich fröhlich.
Wenn sie anders will, so ist mein Herz
voll Leid.

*******

*****

Diu Sælde hât gekrœnet mich
gegen der vil süezen minne,
des muoz ich iemer êren dich
vil werde küniginne.
swenne ich die vil schônen hân,
sône mac mir niemer missegân.
si ist aller güete ein gimme.

Das Glück hat mich auserwählt
für die so süße Minne,
dafür muss ich dich immer ehren,
hochwürdige Königin.
Wenn ich die so Schöne besitze,
kann mir nie mehr etwas missglücken.
Sie ist aller Güte Juwel.

Geprüevet hât ir rôter munt,
daz ich muoz iemer mêre
mit fröiden leben zaller stunt,
swar ich des landes kêre.
alsô hât si gelônet mir,
gescheiden hât mich niht von ir
frou Zuht mit süezer lêre.

Bewirkt hat ihr roter Mund,
dass ich kann immerfort
in Freuden leben alle Zeit,
wohin im Lande ich mich auch wende.
So hat sie mir gelohnt,
geschieden hat mich nicht von ihr
Frau Zucht mit milder Nachsicht.

*******

*******

Der al der werlde fröide gît,
der trœste mîn gemüete.
mîn fröide an der vil schônen lît,
nâch der mîn herze wüete.
scheide, frouwe, diesen strît,
der in mînem herzen lît,
mit reines wîbes güete.

Er, der der ganzen Welt Freude gibt,
der tröste mein Gemüt.
Meine Freude liegt bei der so Schönen,
nach der mein Herz sich verzehrt.
Beende, Herrin, diesen Kampf,
der in meinem Herzen herrscht,
mit der Güte einer reinen Frau.

Du nime daz, frouwe, in dînen muot
und tuo genædeclîche.
gegen dir unsanfte mir daz tuot
und sol ich von dir wîchen.
du lâ gegen mir den dînen haz,
sône mac mir niemer werden baz,
wan in dem himelrîche.

Nimm du das, Herrin, dir zu Herzen
und handle gnädig.
Bei dir fällt es mir schwer,
wenn ich von dir scheiden muss.
Lasse du deine Feindschaft gegen mich,
dann kann es mir nimmer wohler werden,
außer im Himmelreich.

Und sold ich iemer daz geleben,
daz ich si umbe vienge,
sô müese mîn herze in fröiden sweben,
swenne daz alsô ergienge,
sô wurde ich von sorgen frî,
ir genâde stânt dâ bî,
ob si mir des verhienge.

Und sollte ich jemals erleben,
dass ich sie umfinge,
dann müßte mein Herz in Freuden schweben,
wenn das so geschähe,
dann würde ich von Sorgen frei,
ihre Gnade würde da beistehen,
wenn sie mir das verstattete.

Heinrich von Veldeke ca. 1140 – 1190

Die einzigen festen Daten ergeben sich aus dem Bericht über den Diebstahl seines zu zwei Dritteln fertigen Romanmanuskripts im Jahr 1174, das er 9 Jahre später in Thüringen zurückerhält und abschließt (Eneit 352,26ff.), bzw. aus der Tatsache, dass Wolfram im 8. Buch des Parzival, also etwa 1205, seinen Tod beklagt (404,28f.).
Epiker und Minnesänger. Aus einem Ministerialengeschlecht, das sich nach dem Dorf Veldeke westlich von Maastricht im heutigen Belgien benennt (Hs C); evtl. zum Kleriker ausgebildeter Mann im Hofdienst. Er nennt als Gönner: die Gräfinnen Agnes von Loon und Margarethe von Cleve sowie den späteren Landgrafen Hermann von Thüringen, an dessen Hof er die Eneit vollendet.

Die mich darumbe wellen nîden,
daz mir leides iht geschiet,
daz mac ich vil sanfte lîden
noch mîne blîdeschaft vermîden
unde wil darumbe niet
gevolgen den unblîden,
dâ nâch daz si mich gerne siet,
diu mich dur die rehten minne
lange pîne dolen liet.

Wenn mich welche darum beneiden wollen,
dass mir nichts Unangenehmes widerfährt,
das kann ich leicht ertragen
und muss nicht aufhören, mich zu freuen;
auch will ich deshalb nicht
den Griesgrämigen nacheifern,
nachdem sie mich ja recht gerne sieht,
die mich der rechten Liebe wegen
lange Zeit Schmerz erdulden ließ.

In den zîten von dem jâre,
daz die tage sint lanc
und daz weter wider clâre,
sô verniuwet offenbâre
diu merlikîn ir sanc,
die uns bringent liebiu mâre.
got mag er sîn wizzen danc,
swer hât rehte minne,
sunder riuwe und âne wanc.

Zu den Zeiten des Jahres,
da die Tage lang sind
und das Wetter wieder schön,
da fangen ganz vernehmlich
die kleinen Amseln wieder an zu singen,
die uns vertraute Kunde bringen.
Derjenige kann Gott danken,
der die rechte Liebe hat,
ohne Schmerzen und ohne Untreue.

Ich wil frô sîn durch ir êre,
diu mir daz hât getân,
daz ich von der riuwe kêre,
diu mich wîlent irte sêre,
daz ich mich nû sô vergân,
daz ich bin rîch und grôz hêre,
sît ich si muoste al umbevân,
diu mir gap rehte minne,
sunder wîc und wân.

Ich will glücklich sein zum Preis derer,
die das bei mir erreicht hat,
dass ich mich von der Trauer abkehre,
die mich vorher so verwirrte,
so dass es mir jetzt so ergeht,
dass ich reich bin und voller Freude,
seit ich die umarmen durfte,
die mir die rechte Liebe schenkte,
ohne Anfechtung und Ungewissheit.

In den tîden van den jâre
dat dî dage werden lanc
ende dat weder weder clâre,
sô ernouwen openbâre
merelâre heren sanc,
dî uns brengen lîve mâre.
gode mach hers weten danc
dê hevet rechte minne
sunder rouwe ende âne wanc.
Ich bin blîde dore here êre
dî mich hevet dat gedân
dat ich van den rouwen kêre,
dê mich wîlen irde sêre.
dat is mich nû alsô ergân:
ich bin rîke ende grôte hêre,
sint ich mûste al umbevân
dî mich gaf rechte minne
sunder wîc ende âne wân.
Dî mich drumbe willen nîden
dat mich lîves ît geschît,
dat mach ich vele sachte lîden
noch mîne blîscap nît vermîden,
ende ne wille drumbe nît
nâ gevolgen den unblîden,
sint dat sî mich gerne sît
dî mich dore rechte minne
lange pîne dolen lît.

In der Jahreszeit,
da die Tage lang werden
und das Wetter wieder schön
da lassen, jedem vernehmbar,
die Amseln ihren Gesang von neuem hören,
die uns liebe Kunde bringen.
Der mag Gott Dank dafür wissen,
der rechte Minne hat ohne Schmerz und ohne Schwanken.
Ich bin glücklich in der Verehrung derjenigen,
die bei mir erreicht hat,
dass ich mich von den Schmerzen abkehre,
die mich vorher sehr belästigten.
Jetzt ist es mir so ergangen:
Ich bin reich und sehr froh,
seit ich die umarmen durfte die mir rechte Minne schenkte,
ohne Schwanken und ohne Täuschung.
Wenn mich die Leute darum beneiden,
dass ich Liebe erfahren darf,
das kann ich ganz gut ertragen
und muss deswegen nicht
auf meinen Frohsinn verzichten
und den Trübseligen nachlaufen,
da sie mich gern sieht,
die mich um der rechten Minne willen
lange Zeit Qualen erdulden ließ.

In den zîten dâ die rôsen
erzeigent manic schœne blat,
sô fluochet man den fröidelôsen,
die rüegære sint an maniger stat,
dur daz wan si der minne sint gehaz
und die minne œsen.
von den bœsen
scheide uns got, waz schat im daz.

Zu den Zeiten, da die Rosen
manches schöne Blatt zeigen,
da verwünscht man die Freudlosen,
die als Tadler vielerorts sind,
deshalb, weil sie der Minne feind sind
und die Minne verderben.
Von diesen Bösen
scheide uns Gott, was schadet ihm das.

*******

*******

Swer mir schade an mîner frouwen,
deme wünsche ich des rîses,
dar an die diebe nement ir ende.
swer mîn dar an schône mit trouwen,
dem wünsch ich des paradyses
unde valde im mîne hende.
frâg ieman, wer si sî,
der bekenne si dâ bî:
ez ist diu wolgetâne.
genâde, frouwe, mir,
der sunnen gan ich dir,
sô schîne mir der mâne.

Wer immer mir schadet bei meiner Dame,
dem wünsche ich den Strang,
an dem die Diebe ihr Ende finden.
Wer mich bei ihr mit Aufrichtigkeit herausstreicht,
dem wünsche ich das Paradies
und falte für ihn meine Hände.
Fragte jemand, wer sie sei,
der erkenne sie daran:
sie ist die Wohlgestalte.
Sei mir gnädig, Herrin,
die Sonne gönne ich dir,
mir scheine dagegen der Mond.

Swie mîn nôt geflüeger wære,
sô gewunne ich liep nâch leide
unde fröide manicvalde,
wan ich weiz vil liebiu mære:
die bluomen entspringent an der heide,
die vogel singent in dem walde.
dâ wîlent lag der snê,
dâ stât nû grüener klê,
er touwet an dem morgen.
swer nû welle, der fröuwe sich.
nieman nœt es mich,
ich bin unledic sorgen.

Wenn meine Not erträglicher wäre,
so gewönne ich Liebe nach Leid
und mannigfaltige Freude,
denn ich weiß viel gute Kunde:
Die Blumen sprießen auf der Heide,
die Vögel singen im Walde.
Wo einstens der Schnee lag,
da steht nun grüner Klee,
er ist betaut des Morgens.
Wer immer nun will, der freue sich.
Niemand nötige mich dazu,
ich bin nicht frei von Sorgen.

*******

*******

Swer ze der minne ist sô fruot,
daz er der minne dienen kan
und er durch minne pîne tuot,
wol ime derst ein sælic man.
von minne kumt uns allez guot,
diu minne machet reinen muot.
waz solt ich sunder minne dan?

Wer für die Minne so geeignet ist,
daß er der Minne dienen kann
und der Minne wegen sich abmüht,
wohl ihm, der ist ein glücklicher Mann.
Von der Minne kommt uns alles Gute,
die Minne macht reinen Sinn.
Was sollte ich also ohne Minne?

Ich minne die schœnen sunder danc.
ich weiz wol ir minne ist clâr.
ob miniu minne ist kranc,
sô wirt ouch niemer minne wâr.
ich sage ir mîner minne danc.
bî ir minne stât mîn sanc.
erst tump swers niht geloubet gar.

Ich minne die Schöne ohne Dank.
Ich weiß wohl, ihre Minne ist lauter.
Wenn meine Minne sündhaft ist,
dann gibt es wahrhaftig niemals wahre Minne.
Ich sage ihr meiner Minne wegen Dank:
Mit ihrer Minne steht (und fällt) mein Gesang.
Der ist töricht, der dies nicht wirklich glaubt.

*******

*******

Tristrant muose sunder sînen danc
stæte sîn der küniginne,
wan in der poysûn dar zuo twanc
mêre dan diu kraft der minne.
des sol mir diu guote danc
wizzen, daz ich solken tranc
nie genam und ich so doch minne
baz danne er und mac daz sîn.
wolgetâne
valsches âne,
lâ mich wesen dîn
unde wis du mîn.

Tristan musste gegen seinen Willen
treu sein der Königin,
weil ihn der Liebestrank dazu zwang
mehr als die Macht der Minne.
Dafür soll mir die Gute Dank
wissen, dass ich solchen Trank
nie zu mir nahm und ich sie dennoch liebe
mehr als er, wenn das sein kann.
Wohlgestalte
ohne Falsch,
lass mich dein sein
und sei du mein.

Sît diu sunne ir liehten schîn
gegen der kelte hât geneiget
und diu kleinen vogellîn
ir sanges sint gesweiget,
trûric ist daz herze mîn.
ich wæne ez wil winter sîn,
der uns sîne kraft erzeiget
an den bluomen, die man siht
in liehter varwe
erblîchen garwe.
dâ von mir beschiht
leit und anders niht.

Seit die Sonne ihre lichten Strahlen
vor der Kälte gesenkt hat
und die kleinen Vöglein
mit ihrem Gesang verstummt sind,
ist mein Herz traurig.
Ich glaube, es will Winter werden,
der uns seine Kraft zeigt
an den Blumen, die man
in ihren leuchtenden Farben
gänzlich erbleichen sieht.
Dadurch geschieht mir
Leid und sonst nichts.

Minne Lieder



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